Alltagstipp: Ziele setzen – und erreichen

Pause: Frau mit KaffeebecherÜblicherweise strebt das Paradigma einer Planung auf ort- und zeitspezifische Ziele zu. Im Inhalt, in der Dimension und in der Taktung bleiben diese Maßgaben jedoch von den handelnden Personen abhängig. De facto werden sie von Grund auf von ihnen beeinflusst.

Nichtsdestotrotz gehört innerhalb westlicher Industrienationen zu den gesamtgesellschaftlichen Trugschlüssen, dass die Auflistung pflichtgemäßer Aufgaben den Menschen strukturiert – statt umgekehrt.

Zum Beispiel, wenn man – mehr oder weniger bewusst – davon ausgeht, allein die eigenen Mittel gäben den Ausschlag darüber, ob man ein Ziel erreicht oder ob man nachgerade daran scheitern wird.
Manch eine_r ersetzt das Ziel durch den Zweck, wie ein Hamster, der andauernd das Laufrad in Gang hält, statt die eigene Energie gegen die Gitter des Käfigs zu richten und die Persönlichkeitseigenschaft des sogenannten grits auf ein selbstbefreiendes und nachhaltig wirkendes Lösungsmodell anzuwenden. Dabei ist für die Paradoxie von Zielen kennzeichnend, dass sich ihre Komplexität in der Regel reduziert, sobald man sie en détail definiert.

Denn die Zieldefinition festigt mehr als nur die zielorientierte Selbstsensibilisierung. Sie stärkt die Entschlusskraft, die Tatenfreude und in besonderem Maß sogar die sogenannte ‘Plastizität persönlicher Eigenschaften’. Damit geht zum Beispiel die Grundannahme einher, dass das geistige Leistungsvermögen eines Menschen vom umweltbezogenen Kontext abhängt, sich erfahrungsbedingt aktualisiert und in autodidaktische Veränderungsprozesse einbettet, die letztlich erst mit dem Tod enden werden.

In der Regel setzt dabei u.a. auch ein methodischer Pragmatismus ein: Man ordnet die eigenen privaten Charaktermerkmale dem vorrangigen Ziel bei, bis sich eine günstige und zuversichtlich stimmende Konstellation manifestiert. Auf dem Weg zum Ziel wird die erste Etappe ‘danach’ leichter erscheinen als unmittelbar ‘davor’.

Vor solchen Hintergründen ist aus meiner Sicht buchstäblich ‘zielführend’,
in möglichst kleinen Schritten beispielsweise zu hinterfragen…

  • ..worin die Relevanz des Ziels besteht: Warum will man sich ausgerechnet dieses Ziel setzen?
    Wo steckt der Sinn darin?
  •  …wie sich die zeit- und ortsabhängige Machbarkeit des Ziels darstellt:
    Ab wann kann man das Vorhaben wirklich angehen? Bis wann? Und ggfs.: Wo?
  •  …welchen Rang das Ziel einnimmt, vor allem in Relation zu möglichen anderen Zielen:
    Worauf setzt man die Priorität im Jetzt und Hier? Welche Motivation liegt dahinter?
  • …welchen Aufwand das Ziel erfordert: Wer muss was dafür einsetzen? Wie viele Ressourcen werden darin eingebunden? Welche Kausalketten ergeben sich daraus?
  •  …wie der sogenannte ‘Planzerfall’ aussieht: Welche Rückwirkungen können dem Ziel entgegenstehen? Welche Einflussgrößen entziehen sich der eigenen Kontrolle? Und: Wann erlischt das Ziel, zum Beispiel: weil es erreicht wurde?

In gleichem Maß ist es nützlich, ein bestehendes Ziel möglichst kleinschrittig
durch ein neues oder ganz anderes Ziel zu ersetzen, indem man zum Beispiel…

  • …der eigenen Begeisterungsfähigkeit nachspürt und darüber nachdenkt, welche Sach- oder Fachgebiete
    das bestehende Ziel sinnvoll ergänzen bzw. ablösen würden
  •  …das Spektrum der persönlichen Möglichkeiten visualisiert und ein Gespür dafür entwickelt,
    welche Bereiche theoretisch noch erschliessbar bleiben
  •  …sich bewusst hält, welche privaten und beruflichen Interessen über Jahre hinweg konstant geblieben sind
    – und welche nicht
  •  …sich vorstellt, an welchem Punkt man in zehn Jahren stehen will, etwa mithilfe von Brainstormings und/oder durch die kommunikationsspezifischen Feedbacks von Freund_innen
  •  …sich möglichst angstfrei und unvoreingenommen auf unbekannte Terrains einlässt, um experimentell herauszufinden, ob sich dadurch der eigene Horizont bedeutungsvoll erweitert.

Fürwahr – solche Prozesse brauchen Selbstbewusstsein, Besonnenheit und ein paar Wochen Zeit, weil expressis verbis immer noch gilt: Wer ein Ziel aufnimmt oder aufgibt, reagiert in der Regel auf einen akuten Veränderungsbedarf, etwa, um sich selbst zu korrigieren oder um eine deplatzierte Ambition neu auszurichten.