Alltagstipp: Grübel-Monstern den Garaus machen

Arbeitsfeld mit Kindern: Lernschwierigkeiten überwindenSituationen und Verhaltensweisen zu hinterfragen gehört zum Fortschrittsdenken des Menschen – wie auch die Fähigkeit zur Kritik. Neu gemachte Erfahrungen bieten die Chance, dazu zu lernen und den eigenen Wissenshorizont zu erweitern.

Das gelingt zum Beispiel, indem man den Blickwinkel wechselt oder mithilfe von Versuch und Irrtum andere Vorhersagen als vorher findet. Oder indem man andere Schlussfolgerungen daraus zieht als andere. Angesichts der Allgegenwart des Wandels in der Welt bleibt allerdings kaum jemand davor gefeit, die ‘innere’ Selbstsicherheit eine Zeit lang zu verlieren, mit den eigenen Zweifeln ins Leere zu laufen, ein ungenaues Misstrauen zu hegen oder das Gefühl zu haben, die Kontrolle zu verlieren.

Wer in sich selbst unsicher wird und ins Grübeln gerät, neigt aus meiner Erfahrung heraus dazu, sich schlecht entscheiden zu können, Befangenheit, Angst oder Denkblockaden zu haben. Mitunter ziehen die Szenen vorgestellter Katastrophen durch das ‘Kopfkino’ – zum Beispiel, wenn die ‘innere Stimme’ überwiegend im Konjunktiv zu sprechen scheint, um zu deklinieren, was alles im Bereich des Möglichen liegt: hätte, wäre, könnte, würde, eventuell oder auch nicht.

Meist kommt man den eigenen Zielen so kaum näher. Und vermeintliche Lösungen fallen oft flugs in sich zusammen. Eine solche Ergebnislosigkeit deutet häufig an, dass man im ‘Gedankenkarussell’ festklemmt. Dabei geraten manchmal ‘Grübel-Monster’ ins eigene Denken und bringen einiges durcheinander. Diese Kreisläufe beenden zu können, setzt oft voraus, sich selbst zu akzeptieren – so, wie man eben ist.

Deshalb mache ich hin und wieder folgendes: Ich…

  • … liste eine halbe Stunde lang auf, was ich selbst an mir mag, welche Eigenschaften andere wertschätzen und was im letzten Halbjahr gelungen ist. Falls mir dazu kaum etwas einfällt, frage ich eine Vertrauensperson aus meinem Umfeld
  • …stelle ich mir u.a. die Frage, ob ich ausgerechnet in diesen Minuten oder zu dieser Stunde überhaupt ein konkretes ‘Problem’ ausmachen kann – meistens ist die Antwort darauf: ‘Nein’
  • …schreibe die Grübelei auf, um sie ‘aus dem Kopf’ zu bekommen, um sie auf Papier zu ‘bannen’ und mir buchstäblich ‘vor Augen zu führen’, ob eine Antwort überhaupt menschenmöglich ist. Oder ob vielleicht Gott allein darum wissen mag. Oder ich rufe mir den Ausspruch eines befreundeten Anwalts ins Bewusstsein: “Frau Chantelau! Wenn Sie lernen könnten, manche Fragen einfach offen zu lassen…”
  • …meckere gedankliche Fetzen in den Raum hinein, wie etwa: “Hätte hätte, Fahrradkette…”
  • …trage – zumindest in der ‘akuten Phase’ – ein fröhlich-buntes Armband mit Gummizug. Sobald ein Grübel-Monster durch meinen Kopf geistert, klappere ich damit oder ziehe daran, um den Unhold wie ‘an die Kette’ zu legen
  • …erinnere mich daran, mir dass man im Allgemeinen innerhalb von zehn Minuten eine Lösung anbahnen kann bzw. wieder weiß, wo ein verloren gemeinter Gegenstand zuletzt gesehen wurde. Deshalb gilt für mich: Wenn ich innerhalb einer Viertelstunde nicht finde, wonach gefahndet wird, werde ich nach 100 weiteren Minuten wahrscheinlich genauso wenig fündig. Stattdessen sollte ich die Zeit wirklich anders nutzen und die Suche anschließend wie neu aufnehmen
  • …entziehe den Grübel-Monstern den Nährboden, indem ich meine Aufmerksamkeit bewusst ablenke – zum Beispiel auf die Umgebungsgeräusche, auf den Hausstaub in der Zimmerecke, auf die Bilder an der Wand oder auf die die Bücher im Regal. Dadurch bringe ich mich selbst auf andere, meistens gute und sogar bessere Gedanken.

Falls diese Gegenmaßnahmen wider Erwarten fehlschlagen,  gehe ich im Park spazieren. Dort stelle ich mir dann vor, wie das Grübel-Monster kerzengerade aus dem Fenster springt, um mir nachzujagen; dass ich dann zuschlage, um den Plagegeist meiner Gedanken in die erstbeste öffentliche Mülltonne zu treten. Damit ist der Garaus meist endgültig vollbracht.