Alltagstipp: Zum Schutz vor gedanklicher Einengung negativen Stress – Disstress – abwenden

Alltags-Tipp Mit Fehlern umgehenEntscheidungsdruck, Abgabefristen oder Lampenfieber können dazu beitragen, dass man ‘negativen Stress’ empfindet und in eine Denkblockade schlingert, die selbstsabotierende Züge in sich birgt. In besonders angespannten Situationen produzieren nämlich nicht nur die Nebennieren ein gesteigertes Maß an Stresshormonen, sondern auch die haselnuss-kleine Hirnanhangsdrüse – die sogenannte Hypophyse – am Boden des Zwischenhirns.

Die physiologischen Folgen schlagen sich u.a. in einem erhöhten Puls nieder. Der Blutdruck steigt. Die Gefäße verengen sich. Die Atmung flacht ab. Der Magen-Darm-Trakt lahmt. Darüber hinaus wird innerhalb der Großhirnrinde der sogenannte ‘präfrontale Cortex’ hochtourig aktiviert – bis zum nur scheinbaren Paradox, dass seine Leistungen zügig abschlaffen, weil sie von Botenstoffen wie Noradrenalin und Dopamin im regulatorischen Gegenzug abgebremst werden. Parallel zu dieser parasympathischen Reaktion auf das sympathische System ufert die Denkstörung immer mehr aus.

Denn der präfrontale Cortex steuert die essenziellen kognitiven Fähigkeiten eines Menschen, wie zum Beispiel die Planungs-, Abstraktions- und Entscheidungs-kompetenz, das Konzentrations- und Erinnerungsvermögen, die Impuls- und Gefühlsregulation, sogar Anteile der Motorik und weite Bereiche der Kreativität. Stattdessen greift die Region des Hypothalamus verstärkt in den Wirkungskreis ein. Folglich können archaische Verhaltensmuster zutage treten, wie zum Beispiel Angst, Aggression und Gier.

Auch das eigentliche ‘Angstzentrum’ – die sogenannte ‘Amygdala’ – arbeitet mehr als sonst üblich. Sie versetzt das gesamte Nervensystem in den akuten Alarmzustand und begünstigt dadurch Erlebnisse des Kontrollverlusts, etwa Panikattacken und suchtbegünstigende Zwangshandlungen.

Wenn man permanent unter negativem Stress steht, schrumpfen die Areale, die an den kognitiven Prozessen direkt beteiligt sind – wie etwa der präfrontale Cortex – während sich die Verbindungen zu den archaischen Hirnregionen verdichten – wie etwa zur Amygdala, wie auch zum Hypothalamus. Weil sich die neuronalen Strukturen permanent an die persönliche Lebenswirklichkeit anpassen, ist ein solcher Verlauf umkehrbar, sofern die negative Stressbelastung tatsächlich – also: auf Dauer gesehen – nachlässt.

Sport, Mediations- und Entspannungstechniken können beispielsweise nützlich sein, um aus der kognitiven Verengung selbstwirksam auszubrechen, um den Tunnelblick zu beenden und die eigene Wahrnehmung zu erweitern… bis neben einzelnen Bäumen auch der Wald ins persönliche Bewusstsein zurückgekehrt ist.