Alltagstipp: Das Modell Gewaltfreier Kommunikation verstehen und anpassen

Alltagstipps von Jana Chantelau für Eltern: Grundprinzipien der KommunikationIn den frühen 60er Jahren hat der U.S.-amerikanische Psychologe Marshall B. Rosenberg das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) entwickelt, um das Miteinander auf die Säulen von Beobachtungsgabe, Selbstausdruck, Anerkennung und Kompromissfähigkeit zu setzen und ins tagtägliche Verhalten überführen zu können. Um diese Ziele zu erreichen, hat Rosenberg vier konkrete Schritte formuliert.

Im Wesentlichen legen sie nahe…

  • … im Hier und Jetzt zu beobachten, was von wem gesagt und getan wird – wie, wann und in welcher Form. Dabei ist von besonderer Bedeutung, sich selbst und dem Gegenüber aktiv zuzuhören – und Wertungen zunächst außen vor zu lassen
  • …mit Herzenswärme nachzuspüren, welche Gefühle mit der konkreten Situation einhergehen – zum Beispiel in Bezug auf die eigenen Körperwahrnehmungen, aufgrund persönlicher Werte und/oder mithilfe von Perspektivwechseln, die darauf abzielen, sich in die Lage des Gegenübers einzufühlen und auch über die eigene Position anders als bisher nachdenken zu können
  • …das eigene Anliegen genau – wenngleich: wertend – zu benennen und aufrichtig offenzulegen, was man vom Gegenüber braucht, um der Situation selbst vertrauen zu können und die positive Atmosphäre (selbst-) achtsam zu wahren. Rosenberg hat diesen Punkt unter dem Schlüsselwort ‘Bedürfnis’ zusammengefasst. Dazu gehört die innere Bereitschaft, die Verantwortung für die eigenen Gefühls-, Verhaltens- und Kommunikationsmuster zu tragen. Allerdings gehört nicht dazu, sich darüber hinaus auch für die Reaktion des Gegenübers verantwortlich zu sehen.
  • …das Gegenüber darum zu bitten, die eigene Befindlichkeit zu berücksichtigen, bzw. persönliche Wünsche und/oder Erwartungen zu erfüllen – ohne jedoch Forderungen, Vorwürfe u.ä. daraus abzuleiten (geschweige denn: einklagen zu wollen).

Meine Erfahrung ist, dass das Modell der GfK heute zwar noch zur Sicherung des ‘inneren Friedens’ taugt und durchaus dazu beiträgt, anderen Menschen die eigene Haltung zu vermitteln. Gleichwohl fällt es den meisten Menschen schwer, das eigene Empfinden situationsnah in klare Worte zu fassen und sich selbst-reflexiv zu hinterfragen.
Überdies setzt die ‘gewaltfreie Kommunikation’ voraus, dass alle beteiligten Kommunikationspartner_innen willens und imstande sind, ihre Empathiefähigkeit auf hohem Niveau abzurufen.

Sie werden dazu angehalten, einerseits ‘bei sich’ zu bleiben und andererseits ihrem Gegenüber genug Freiraum zu geben, um auf einer gleichberechtigten Basis zu Kompromissen zu kommen und – zumindest in der mittelfristigen Perspektive – verlässliche Modifikationen im Verhalten zu erreichen. Nur: Das Leben ist eben kein Ponyhof, und auch kein Wunschkonzert.