Alltagstipp: Lernen – Abwechslung und Routine

Graffitti: Kind. Jugendlicher mit MützeWie kein zweites Lebewesen ist die Spezies Mensch darauf spezialisiert, zu lernen und die Lern-Inhalte weitergeben zu wollen. Im Allgemeinen gilt, dass unterschiedliche Wege – gleichermaßen berechtigt – zum Ziel führen können. Wie zügig die Lernstrecke zurückgelegt wird, hängt u.a. von der Motivation ab.

Wer beispielsweise Auswandern will, sieht mehr Anreize dafür, sich die jeweilige Nationalsprache anzueignen, als jemand, der sich auf eine Reise vorbereitet. Denn die Vorteile, sich zu integrieren, sind dringlicher und nötiger.

 
Ob ein lernender Mensch dann bevorzugt, den Lernstoff sich selbst beizubringen oder sich unter der Anleitung anderer anzueignen, ob man also eher im Alleingang oder mithilfe einer Lerngruppe lernen möchte oder einen Trainer, eine Trainerin oder eine Lehrkraft hinzuziehen will, hängt u.a. davon ab…

  • …auf welche Tageszeit der individuelle Biorhythmus aktuell gerade gepolt ist
  • …in welcher Umgebung man sich erfahrungsgemäß stressfrei konzentrieren kann
  • …und wie selbstdiszipliniert man bereits gewohnt ist, zu arbeiten.

Zudem ergibt sich das Lernverhalten eines Menschen aus der Kombination unterschiedlicher – wenngleich: lerntypisch geprägter – Methoden heraus. Im Wesentlichen differenziert die Lernpsychologie diese folgenden vier Lerntypen:

Den visuellen Lerntyp
Das heißt: Das Lernen erfolgt überwiegend über bildsprachliche Informationen wie Fotos, Grafiken oder Animationen, zum Beispiel mithilfe assoziativer Querverbindungen, farbiger Textmarkierungen oder Online-Plattformen wie
 Google Scholar.
 Wer ohnehin visuell denkt, ist bei dieser Lernmethode naturgemäß begünstigt.
 Wer dabei Schwierigkeiten hat, sollte die Seh-Wahrnehmung trotzdem gelegentlich trainieren, um die eigene methodische Palette zu erweitern.

Den auditiven Lerntyp
Das heißt: Das Lernen erfolgt vor allem über das Hören bzw. Zuhören, zum Beispiel mithilfe von Vorträgen – online wie offline, etwa bei Lernveranstaltungen vor Ort oder bei Online-Plattformen wie TED, auf denen die Mitschnitte von englischsprachigen Veranstaltungen u.a. untertitelt abrufbar sind.
 Wer über ausgeprägte Empathie- und Konzentrationsfähigkeit verfügt, ist für diese Lernmethode wie geschaffen. Wem dies wenig liegt, sollte dennoch hin und wieder versuchen, anderen Menschen bewusst und aktiv zuzuhören, um das eigene Lernen möglichst variabel gestalten zu können.

Den haptisch-motorischen Lerntyp
Das heißt: Beim Lernen sind die experimentellen Handlungen dominant, zumeist unter Zuhilfenahme von technischen Geräten wie bildgebenden Instrumenten oder Mess-Apparaten. Oder in Form von Exkursionen – zum Beispiel, um beobachtungszentriert „am Objekt“ zu lernen oder um die logischen Gesetzmäßigkeiten durch eigene Versuche und nützliche Irrtümer auszutüfteln und buchstäblich zu „begreifen“.
Wer sich eher in praktisch-konkreten Denkmustern bewegt als in abstrakt-theoretischen, hat für Lösungswege solcher Art in der Regel ein Naturtalent. Bei wem es sich umgekehrt verhält, sollte sich ab und zu handwerklich bzw. feinmotorisch versuchen, um die persönliche Lernkompetenz auszubauen.

Den kommunikativ-kooperativen Lerntyp
Das heißt: Das Lernen erfolgt vor allem über die sprachliche Vermittlung und durch rationale Einsichten, zum Beispiel im Rahmen interdisziplinärer Projektarbeit, etwa mithilfe von Streitgesprächen, Gruppendiskussionen und Telefonkonferenzen (Telkos.) Oder in Form von Workshops, in denen die Teilnehmer_innen die Lösungsansätze anderer adaptieren bzw. selbst welche in den Raum stellen, ohne den vollständigen Erfolgsweg im Alleingang bereits zu kennen.
Wer prägnant und klar sprechen kann, liegt bei dieser Lernmethode im Vorteil.
 Wer darin unsicher ist, sollte das kommunikationsbasierte Lernen gelegentlich trotzdem einsetzen, um auf mittel- und langfristige Sicht möglichst unterschiedliche Lernwege
zu beherrschen.

Um die Lerninhalte zuverlässig ins Langzeitgedächtnis zu überführen, empfiehlt sich nämlich, möglichst alle Sinne für die Wissensaufnahme zu aktivieren – also: das Hören, das Sehen, das Tasten bzw. Fühlen, das Schmecken und das Riechen.



Lernpsychologisch betrachtet ist zudem sinnvoll, sich sowohl gruppendynamisch
wie auch selbstgesteuert mit dem Lehrstoff auseinanderzusetzen. Denn aus hirnbiologischer Sicht gilt für das Lernen das, was u.a. auch bei der  Bewusstseinsbildung gilt: Beides ist mit der „Speicherkapazität” unterschiedlicher Hirnareale untrennbar verbunden. Und beides ist vor allem in der Großhirnrinde verankert.
Die Großhirnrinde liegt der Oberfläche des Großhirns außen auf und befähigt gesunde Menschen beispielsweise dazu, sich zu erinnern: u.a. an Wahrnehmungen, Erfahrungen, Bewegungsabläufe, Handlungsschemata und Fakten.
 Je besser die Hirnregionen synaptisch miteinander vernetzt sind, desto effizienter ist man dazu imstande, neue Informationen aufzunehmen, sie zu analysieren und ins bereits vorhandene Wissen einzubetten – zum Beispiel mithilfe des sogenannten Primings, das gesunde Menschen dazu befähigt, fragmentarische Informationen kompetent zu ergänzen, etwa bei fehlenden Buchstaben. Ncht whr?
Dieses neuronale Zusammenwirken lässt sich ganzheitlich trainieren, und zwar vor allem dadurch, dass man beim Lernen lebenslang dabei bleibt – auf möglichst unterschiedlichen Ebenen, unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Lerntechniken.

Denn um die Arbeitseffizienz des Gehirns zu optimieren, strukturieren sich oft genutzte synaptische Verbindungsstellen funktional um – im Zuge der sogenannten Langzeit-Potenzierung (LTP).

Damit wird beschrieben, dass häufig aktivierte Synapsen mehr Botenstoffe freisetzen als andere. Sie bleiben auch länger und – im Wortsinn – impulsiver aktiv. Aufgrund dieser synaptischen Re-Strukturierung verkürzt sich der Abstand zur Nachbarzelle, die Übermittlung informativer Reize wird beschleunigt, kurzum: Man schaltet schneler.
 Aufgrund der sogenannten neuronalen Plastizität – also: der Eigenschaft des Gehirns, wenig genutzte synaptische Verbindungen zurückzubilden – kann sich das aktuelle bzw. vormals vorhandene Wissen auch verlieren, etwa bei Fremdsprachen, die in der Schule zwar erlernt wurden, danach aber nicht mehr aktiv zur Anwendung kamen.