Alltagstipp: Methaphern als sprachliches Mittel nutzen und verstehen

Alltagstipp von Jana Chantelau für Eltern: Metaphern verstehen und anwenden können

Aus linguistischer Sicht stehen sogenannte ‘Metaphern’ üblicherweise für sprachliche Ausdrucksformen, die von ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst werden und in einem ähnlichen, wenngleich anderen Kontext eine neuartige Einbettung finden. Im Unterschied zur sogenannten ‘Analogie’ erwachsen daraus allerdings keine unmittelbaren Vergleichsebenen. Vielmehr strebt man mit Metaphern einen übergeordneten Bezugsrahmen an.

Warum? Zum Beispiel, um die Sinnhaftigkeit des vorab Gesagten zu veranschaulichen, um die inhärenten Wendepunkte zu segregieren, um die Lösungspfade mental zu verankern oder um die Kernaussagen prägnant zu vermitteln. Denn gerade weil sie ihren Bedeutungsinhalt wechseln, sind Metaphern per se abstrakt und konkret zugleich. Hirnphysiologisch betrachtet, werden sie im Gleichlauf beider Hirnhälften im gleichen Maß aufgeschlüsselt und verarbeitet.

Darüber hinaus setzen die metaphorischen Verbildlichungen oft vorgeprägte Assoziationsketten frei, die den Zugang zum Inhalt teils erleichtern, teils eingrenzen, teils erweitern und teils sprachlich  kolorieren. Ein solcher Effekt stellt sich u.a. durch Wortpaarungen ein, wie zum Beispiel: helle Köpfe, schlaue Füchse, hasenherziges Verhalten, heiße Luft, abendländische Abgesänge oder rosarote Brille. Oder durch einzelne Begriffe wie zum Beispiel: Duckmäuserei, Warteschlange, Getreidemeer, Jammertal, Damoklesschwert, Gedankenflut und dergleichen mehr.

Dadurch werden u.a. kollektive Erfahrungs- und Erlebniswerte wachgerufen, die die innere Barriere zwischen den Interaktionspartner_innen herabsenken können – Barrieren, die oft aus der Situation heraus entstanden sind und die durch die Suggestion eines Gemeinschaftsgefühls abgetragen werden können. Manchmal gehen die metaphorischen Redensarten sogar in die Alltagssprache ein – in den Duktus, in dem die Menschen tagtäglich miteinander umgehen, zum Beispiel, wenn der Hund in der Pfanne verrückt wird oder die Maus keinen Faden abbeißt, wenn Bauklötze gestaunt werden, wenn jemand locker vom Hocker vorgeht, in die Gänge kommt, über den grünen Klee gelobt wird, sich die Beine vertritt, vom Hacken bis zum Nacken bzw. vom Scheitel bis zur Sohle angespannt wirkt oder einfach mal Tacheles redet.

Die Wirkkraft von sinnigen Metaphern setzt jedoch voraus, dass man imstande ist, auf vergleichbare Wissenshorizonte, Erfahrungs- und Gefühlswerte zuzugreifen und dass der Effekt des eigenen Sprachgebrauchs keine Bögen überspannt. Vor diesem Hintergrund ist zum Beispiel nützlich, sich zu vergegenwärtigen, welche Konnotation und Denotation mit der jeweiligen Metapher einhergeht, welche Sachverhalte bzw. Zustände damit bereits belegt sind, ob der Begriff eher Distanzierung oder Nähe anklingen lässt und welche Interpretationsvarianten sonst noch naheliegend erscheinen.

Zudem gilt unter der Prämisse der persönlichen Echtheit, dass die Metaphern kohärent angewendet werden, mit den eigenen Denk- und Verhaltensmustern im Einklang stehen und weder in die Phrasendrescherei abdriften noch allzu platte Klischee- und Kitschbilder wachrufen. Denn: “Von einer krummen Kerze kann kein gerader Schatten fallen.”
– Paul Winckler (ca. 1630 – 1686), Schriftsteller –