Alltagstipp: Kommunikation im Licht der Neuropsychologie betrachten können

Alltagstipp von Jana Chantelau: Fragen stellenDas Verständnis davon, was Wörter, Sätze, Texte, Vorträge, Diskussionen u.ä. „eigentlich“ bedeuten, variiert häufig von einer Erfahrung bis zur nächsten, von einem Zusammenhang zum anderen, vor allem: von einer Person zu einer anderen Person.



Denn die meisten Menschen kommen kaum umhin, Informationen zunächst „für sich selbst“ zu deuten, um mit dem persönlichen Denken, mit den eigenen Gedanken, Überzeugungen und vorherigen Erfahrungen darauf einzugehen.
Oder eben nicht, etwa, wenn man die Wichtigkeit einer Information als „bedeutungslos“ oder „egal“ abtut oder die Information selbst für„abwegig“ oder „unzutreffend“ hält und damit die Chance zur Kommunikation verwirft. Mit anderen Worten: Die Kommunikation zwischen zwei Menschen enthält im Vorhinein ein ganz natürliches Maß an Zwiespältigkeit. Dieser Spannungszustand braucht oft eine Klärung – zum Beispiel, um Missverständnissen, Fehlannahmen, Trugschlüssen u.ä. beizukommen.

Manchmal braucht man dafür sehr eindeutige Worte, beispielsweise, wenn es darum geht, deutlich jüngere oder deutlich ältere Menschen angemessen zu verstehen und im Gegenzug auch von ihnen verstanden zu werden; oder wenn es darum geht, das, was man weiß, an andere weiterzugeben.

Aus neuropsychologischer Sicht beginnen solche „bewusst“ geführten Kommunikationsprozesse mit sogenannten „sozialen Stereotypen“, die persönliche Vermutungen nicht nur voraussetzen, sondern oft sogar ‚voran’stellen.

 Vor einigen Jahren habe ich beispielsweise noch geulkt, dass der Begriff „Psychotherapie“ eher eine Diagnose enthalten würde, als tatsächlich ein Arbeitsfeld zu beschreiben…. bis ausgerechnet ich die Professionalität von jemanden aus ausgerechnet diesem Beruf zu schätzen „lernte“. Diese neu gewonnenen Beobachtungen und Erfahrungen veranlassten mich dann dazu, meine vorherigen Annahmen zum Teil zu korrigieren und auf jeden Fall anders als bisher zu formulieren.

Solche Veränderungsvorgänge bezeichnen Neuropsycholog_innen u.a. als„Synchronisieren“. Das heißt: Man stellt sich mehr oder weniger „bewusst“ auf einen anderen Menschen ein – meist sogar wechselseitig.
 Das passiert zum Beispiel, indem man Begriffsbedeutungen, Ideen, Vorstellungen u.ä. „vernünftig“ erscheinende Denkergebnisse aus-, ver- und abhandelt und innerhalb der eigenen Gedanken frei und offen dafür bleibt, die Ähnlichkeiten und Unterschiede nachzuvollziehen, um sie schlussendlich zu akzeptieren, „stehenzulassen“ oder zurückweisen zu können.
Solche vorwärtsführenden Kommunikationsflüsse setzen allerdings sprachlich produzierte „Schleifen“ voraus, die idealerweise zum Gemeinschaftswerk geraten, von Mensch zu Mensch zu „fließenden Übergängen“ beisteuern und oft dadurch erst ermöglichen, vom anderen zu lernen bzw. imstande zu sein, das eigene Wissen zielsicher ans Gegenüber zu vermitteln.

Dieses informationstheoretische Prinzip hat der Pfarrer Thomas Bayes (1702 – 1761) im sogenannten Bayes-Theorem (auch bekannt als: Bayes-Satz) als mathematische Formel ausgedrückt. Ihr zufolge befähigt die Beobachtungsgabe u.a. dazu, dass man aus neuen Informationen ableiten kann, in welchem Umfang das vorab existierende Wissen erweitert wurde – kraft der Neuauskünfte selbst.