Alltagstipps: Warum Freundschaften manchmal durch den Alltag tragen

Team: Zusammenhalten und die Motivation aufrechterhaltenVon der Wiege bis zur Bahre bleiben die psychografischen Entwicklungen eines Menschen einzigartig und individuell. Im Habitus wie auch in ihrer Wahrnehmung und Emotionalität, in ihren Entscheidungen, Denk- und  und Verhaltensmustern, in ihren Lebensumständen und im Alltag kommen sogar meine Freundinnen und Freunde anders daher als ich selbst.
Trotzdem meine ich ab und zu, Anteile von mir selbst spiegelbildlich im Freundeskreis wiederzufinden.

Und ich ahne, dass ich manche ihrer Anteile kaum merklich in mein eigenes Dasein integriert habe. Über kurz oder lang, mehr oder weniger bewusst, mache ich also doch ein Bündel an Gemeinsamkeiten zwischen uns aus und schließe auf das, was uns verbindet und worin wir uns dem Anschein nach zunehmend ähnlicher werden, zum Beispiel in Form eines unbewussten und vorbildhaften Angleichungsprozesses, der sogenannten Synchronität.

Unterschwellig folgere ich daraus, dass wir uns wechselseitig vertrauen, unterstützen und beschützen können, zum Beispiel, weil unsere Erfahrungen, Überzeugungen, Werte, Interessen und Ambitionen offenbar nahe beieinander liegen.  Und weil ich meinesteils gerade “diesen anderen” einen Grad an Gleichheit unterstelle: Einerseits fußt er auf Erfahrungswissen und lebensabschnittsorientierten Referenzpunkten, andererseits umfasst er nuancierte Zuschreibungen und Projektionen. Denn in erster Linie sympathisiere ich mit meinesgleichen, fühle mich gruppenspezifisch zugehörig, statt nur auf mich allein gestellt, und umgebe mich mit mentalen Modellen, die mir keineswegs fremd vorkommen.

Dessen unbeschadet, unterscheiden sich meine Freunde und Freundinnen durchaus genug voneinander und von mir selbst – also allenthalben genug, um meinen eigenen Bezugsrahmen durch ihre Empathie und auch durch ihre Rapports effektvoll zu erweitern. Und wie!

  • Zum Beispiel, indem sie eigenständige Perspektiven haben, alternative Deutungsmarker ansetzen, einzelne Ereignisse entsprechend anders gewichten und Zusammenhänge sehen, die ich aus mir selbst heraus nicht unbedingt in Betracht ziehen würde.
    Vor diesem Hintergrund bleibe ich in einer Atmosphäre von Vertrauen und Vertrautheit u.a. willens und imstande, meiner eigenen Positionierung eine maßvolle Flexibilität zu geben und den Alltagsdruck eigenständig zu moderieren – etwa, indem ich mich mit Einwänden, Vorbehalten und Kritikpunkten “anfreunde” und innerlich wie äußerlich meine Entwicklungsfähigkeit “auch so” aufrechterhalten kann.
  • Ein sogenannter Nudge (“Anstupser”) wirkt auf eine vergleichbare Weise: Denn dieser methodische Kniff führt üblicherweise dazu, dass man das eigene Verhalten überdenkt und die Bereitschaft zeigt, sich mithilfe der Eigenverantwortung und des Handelns einer Gruppe anzunähern – gerade weil man sich ihr ohnehin emotional zuordnen will.
    Durch eine solche zwischenmenschliche Dynamik erlebe ich mitunter sogar eine Identitätsstärkung. Damit geht nämlich u.a. einher, dass meine Freunde und Freundinnen mir rundweg zutrauen, den meisten Lebens-, Stimmungs- und Stresslagen zweifelsohne gewachsen zu sein und in der Vorausschau auch zusprechen, dass ich die unterschiedlichen Gegebenheiten des Alltags aus eigener Kraft wirkmächtig und lernfähig beeinflussen werde.

Denn nicht zuletzt gilt noch die Einsicht des deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832):
“Behandle die Menschen so, als wären sie, wie sie sein sollten,
 und du hilfst ihnen, zu werden, was sie sein können.”